Irina Duszejko ist Lehrerin und passionierte Astrologin. Den Winter verbringt sie auf einem Hochplateau an der polnisch-tschechischen Grenze, wo sie auf die verlassenen Häuser ihrer Nachbarn achtgibt. Auf ihre Mitmenschen wirkt Irina verschroben, denn sie zieht die Gesellschaft von Tieren der der Menschen vor. Als eines Tages ihr Nachbar tot aufgefunden wird, in seiner Kehle der Knochen eines Rehs, bleibt es nicht bei einem Toten.
Wer von Olga Tokarczuk, der wohl bekanntesten zeitgenössischen polnischen Schriftstellerin, einen klassischen Ermittlungskrimi erwartet, wird enttäuscht. Gesang der Fledermäuse entzieht sich jeder Einordnung. Der Roman erzählt von Irina, die sich von der Menschheit abwendet und ihren letzten Lebensabschnitt mit eigenwilligen, oft widersprüchlichen Weltansichten in der Einsamkeit verbringt. Tokarczuk inszeniert diese Geschichte mit viel Können, gelegentlich auch mit einem rauen, grantigen Ton. Entstanden ist ein schönes, häufig auch trauriges Porträt von Irinas Gedankenwelt und ihrer Sicht auf eine sich wandelnde Gesellschaft.
Ich fand Irina als Ich-Erzählerin sehr sympathisch. Auch Tokarczuks Belesenheit hat mich beeindruckt. Sie schöpft aus einem großen Wissen und vermittelt viel Substanz zu Astrologie sowie zum Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Dabei ist der Roman zugleich stark sozialkritisch. Er regt dazu an, über Veganismus aber auch Religion nachzudenken – etwa wie über diese biblische Stelle in 5. Mose 14,4 („Dies ist aber das Tier, das ihr essen sollt: Ochsen, Schafe, Ziegen“). Wie Irina sich mit obsessiver Hingabe den Horoskopen ihrer Mitmenschen widmet, so hat mich ihr Charakter so sehr gepackt, dass ich mich ganz in ihre Gedankenwelt hineinversetzt fühlte.
Gesang der Fledermäuse ist kein gewöhnlicher Krimi. Vielmehr ist er ein melancholischer, manchmal wütender Blick auf die Natur des Menschen. Die Geschichte berührt spirituelle Fragen und stellt das eigene Ich in einen ungewohnten Zusammenhang.
Ich empfehle das Buch allen, die eine offene, kritische Haltung zum Leben mitbringen. Leserinnen und Leser mit einem Sinn für alternative Denkweisen und einem Blick für das Abseitige werden hier eine literarisch anspruchsvolle, tiefgründige Geschichte finden.
10/10
Irina Duszejko is a teacher and a passionate astrologer. She spends the winters on a high plateau near the Polish-Czech border, looking after the empty houses of her neighbors. To others, Irina seems eccentric. She prefers the company of animals to that of humans. When one day a neighbor is found dead — with a deer bone lodged in his throat — it quickly becomes clear this will not be the only death.
Anyone expecting a conventional murder mystery from Olga Tokarczuk, perhaps the most prominent contemporary Polish writer, will likely be disappointed. Drive Your Plow Over the Bones of the Dead defies categorization. The novel follows Irina, who turns her back on humanity and spends the final stretch of her life in solitude, guided by her own often contradictory worldview. Tokarczuk tells this story with mastery, at times with a dry, even irritable tone. What emerges is a moving, often melancholic portrait of Irina’s mind and her perception of a changing world.
I found Irina to be a deeply sympathetic narrator. I was equally impressed by Tokarczuk’s breadth of knowledge. She draws from a rich well of ideas and offers substance on subjects like astrology and the complex relationship between humans and animals. The novel is also sharply critical of society. It invites readers to reflect on topics such as veganism and religion — for example, through passages like Deuteronomy 14:4: “These are the animals you may eat: the ox, the sheep, the goat...” Just as Irina devotes herself obsessively to charting the horoscopes of those around her, I found myself drawn so deeply into her character that I ended up entirely immersed in her inner world.
This is no ordinary crime novel. It’s more of a melancholic, at times furious meditation on the nature of humanity. The story touches on spiritual questions and challenges the reader to reconsider their sense of self.
I wholeheartedly recommend this book to anyone with an open, questioning outlook on life. Readers with a taste for unconventional narratives and a sensitivity to the offbeat will find a literary experience that is both thought-provoking and emotionally rich.
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Irina Duszejko lebt zurückgezogen auf einem Hochplateau an der polnisch-tschechischen Grenze, liebt Tiere mehr als Menschen und verbringt ihre Zeit mit Astrologie. Als ihr Nachbar tot aufgefunden wird – in seiner Kehle der Knochen eines Rehs – nimmt die Geschichte ihren Lauf.
Gesang der Fledermäuse von Olga Tokarczuk ist kein klassischer Krimi, sondern ein melancholischer, teils wütender Roman über Natur, Spiritualität und Gesellschaft. Tokarczuk verbindet Astrologie, Veganismus, Religion und das Verhältnis zwischen Mensch und Tier zu einer tiefgründigen, literarisch anspruchsvollen Erzählung.
Für alle, die alternative Denkweisen schätzen und Lust auf eine ungewöhnliche, nachdenkliche Geschichte haben – klare Empfehlung!
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