Der angebliche Tod von Keith Richards schleudert den Endfünfziger Fred, Hobbygitarrist einer Coverband, direkt in eine Midlife-Krise mit Rockstar-Anstrich. Über seinen Kumpel Ben Harper erfährt er, dass Richards jedoch quicklebendig ist – und plötzlich soll Fred im Auftrag des Altrockers dessen legendären Totenkopfring an Johnny Depp verkaufen. Denn selbst das Abtauchen eines Rolling Stone finanziert sich nicht von allein. Das Problem: Fred hat Richards seit der vermeintlichen Todesnachricht nie mit eigenen Augen gesehen – er jagt einem Phantom hinterher, begleitet nur von vagen Erzählungen und einer Krankenschwester mit fragwürdiger Agenda.
Von Linus Reichlin hatte ich bereits Der Hund, der nur Englisch sprach gelesen. Auch hier bleibt er seinem bekannten Erzählmuster treu: Ein alterspubertärer, gescheiterter Protagonist, geplatzte Lebensträume und der verzweifelte Versuch, dem gesellschaftlichen Mittelmaß zu entkommen – alles verpackt in eine Mischung aus Groteske, Symbolspiel und schrägem Humor. Soweit, so vertraut.
Diesmal wirkt die Erzählung weniger rund: Die Pointe kommt recht früh, wodurch die Spannung etwas an Fahrt verliert. Danach plätschert die Geschichte stellenweise dahin, bleibt aber sprachlich immer wieder pointiert und unterhaltsam. Statt der erhofften rock’n’rolligen Abrechnung mit dem Spießertum entsteht eher ein Zwischending – teils grotesk, teils nachdenklich, aber nicht immer ganz treffsicher. Am Ende steckt Fred dennoch genau dort fest, wo er nie hinwollte: im grauen Mittelmaß.
5/10
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The alleged death of Keith Richards throws fifty-something Fred, hobby guitarist in a cover band, straight into a midlife crisis with a rock-star twist. Through his buddy Ben Harper, he learns that Richards is very much alive – and suddenly Fred finds himself tasked with selling the Rolling Stone’s legendary skull ring to Johnny Depp. After all, even a rock legend’s vanishing act doesn’t pay for itself. The problem? Fred hasn’t actually seen Richards in the flesh since the supposed death – he’s chasing a phantom, guided only by hearsay and a nurse with a questionable agenda.
I had already read Linus Reichlin’s The Dog That Only Spoke English. Here too, Reichlin sticks to his familiar formula: an ageing man in extended adolescence, failed dreams, and a desperate attempt to escape the suffocating comfort of middle-class life – all wrapped in grotesque imagery, symbolic overtones, and offbeat humour. So far, so familiar.
This time, however, Reichlin trips himself up: the punchline is revealed far too early, and from that moment the story sputters like an engine running in neutral. The initial momentum collapses into idle chatter that still wants to sound witty but increasingly feels forced. Instead of a rock’n’roll takedown of petty-bourgeois life, we get a lukewarm halfway house – neither boldly absurd nor sharply written enough to truly stick in the mind. By the end, Fred winds up exactly where he never wanted to be: stranded in the grey swamp of mediocrity.
5/10Keith Richards tot? – denkt Fred, Endfünfziger und Hobbygitarrist, und stürzt in eine Midlife-Krise mit Rockstar-Anstrich. Am Ende jagt er nur einem Phantom hinterher – samt Totenkopfring, Johnny Depp und einer ziemlich schrägen Krankenschwester.
Linus Reichlin bleibt seinem Stil treu: gescheiterter Held, grotesker Humor, viel Symbolspiel. Diesmal zündet es nicht ganz – die Pointe kommt früh, der Schwung lässt nach. Unterhaltsam bleibt’s trotzdem, nur eben weniger rock’n’rollig als erhofft.
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