Sonntag, 17. September 2023

Eva Lohmann - Das leise platzen unserer Träume

Jule und David leben kinderlos in einem abgelegenen Gutshaus auf dem Land. Der unerfüllte Kinderwunsch lastet schwer auf ihrer Ehe – und jeder von beiden geht anders mit dem Schmerz um. Jule flüchtet sich in ihre Arbeit als Catererin, David sucht Trost und körperliche Nähe bei Hellen. Beide wissen längst, dass ihre Beziehung nur noch eine Hülle ist. Sie bereiten sich innerlich auf ein Leben nach dem gemeinsamen vor. Doch dann meldet sich Hellen plötzlich bei Jule – und bringt alles ins Wanken.

Mich haben diese 216 Seiten tief bewegt. Der Roman ist intensiv, schonungslos und zugleich voller leiser Zwischentöne. Besonders nachhallend war für mich das Bild, das im Buch verwendet wird: dass Menschen in langjährigen Beziehungen manchmal wie Frösche in einem Topf heißen Wassers sind – sie merken nicht, dass sie langsam gekocht werden, wenn sich die Temperatur nur behutsam genug steigert. Ein so simples, aber treffendes Bild dafür, wie schleichend Entfremdung geschehen kann, ohne dass man den genauen Moment des Verlusts benennen könnte.

Ein klarsichtiges, ehrliches Buch über Liebe, Verdrängung, Affären und die Angst vor dem Alleinsein. Der stellenweise sehr männerkritische Unterton war für meinen Geschmack etwas zu deutlich – ich habe ihn für mich ausgeblendet, weil die Geschichte selbst stark genug ist. Am Ende bleibt ein intensiver, kluger Roman, der vieles anstößt und lange nachwirkt. Sehr empfehlenswert.

8/10

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