Dienstag, 12. November 2024

Biographie: Alexej Nawalny - Patriot - Meine Geschichte

Wer sich nur ansatzweise für zeitgenössische russischer Politik interessiert, kommt um dem Namen Nawalny nicht vorbei. Ein Grossteil seines Lebens widmete er sich der Korruptionsbekämpfung gegen das autoritäre Regime in seinem Land. Dafür wurde er u.a. mit dem berühmten Sacharow Menschenrechtspreis für Meinungsfreiheit ausgezeichnet. Das Ende um Nawalny ist bekannt und nun liegt die Biographie vor, die Bewusst ohne grosses Werbetrommeln und auf den letzten Drücker über den Fischer Verlag veröffentlicht wurde, um das Werk zu schützen und nicht im Vorfeld sabotieren zu lassen. Das Buch beginnt mit der Punshline seiner Vergiftung und späteren spannenden biographischen Eckpfeilern, bevor die Geschichte im letzten Drittel zu einem reinen Gefängnistagebuch wird - ein Sammelsurium aus abstossenden, monströsen, perversen Episoden und Puzzleteilen aus der Organisation der Föderalen Strafvollzugdienstes, in dem Nawalny wegen Gründung einer extremen Gruppe eingesperrt wurde. Der Schreibstil ist vorwiegend parodisch gehalten und zeigt eine sarkastische Groteske. Nawalny nimmt den Leser mit in seine Zelle und zugleich auf den Weg zu seinem Tod. Das wirkt gerade auf den letzten Seiten sehr intensiv. Der Autor verliert sich jedoch nicht in tristester Aussichtslosigkeit - im Gegenteil. 

Putin selbst erhält hier nur wenig Auftritte. Patriot ist in erster Linie ein politisches Statement aber auch ein reines Nawalny Buch indem er sich und seine Frau auch gerne abfeiert. Spannend skizziert, weil es viel von der russischen Kultur erzählt wird und man Bevölkerung und Land nach dem Lesen mit anderen Augen sieht. Schlimm natürlich wie entmenschlichend Putin bzw. die russische Einheit, Nawalny systematisch zerstört und seine Lage immer wieder aufs Neue torpediert. Man will den Patrioten leiden sehen und verschlechtert seinen Gefängnisaufenthalt sukssesive - man macht im wahrsten Sinne des Wortes en Raum eng. Einfach nur den Stecker ziehen wäre zu einfach gewesen. Hitler hat mit den Juden dieselbe Taktik gewällt - Man denkt es kommt nicht schlimmer - bis es schlimmer wird. Oft fragt man sich wie Alexej das im Straflager in Charp ausgehalten hat? Die Antwort kommt umgehend: Die Liebe zu Russland und die Meinungsfreiheit der Menschen und seine geliebte Frau Julija. 

Ein hinreissend politisch aufwühlendes Buch über einen Patrioten, der sich für die Demokratie (30% der russischen Bevölkerung besitzen eine demokratische Lebensphilosophie) und gegen ein autokratisches System einsetzt, das Menschen instrumentalisiert. Gegen einen Diktator der in einem 15Mio teuren Haus lebt und dessen Vermögen mehrere hundert Millionen aufweist, während die Bevölkerung in der Peripherie 5 Stunden für den Kauf von Fleisch und 1 Stunde für Milch anstehen muss.
Lesern die sich für russische Geschichte/Kultur/Politik aber auch Russphobie interessieren, lege ich das Buch ans Herz und somit verabschiede ich mich einem Nawalny Zitat :

 - Der Glaube, macht das Leben einfacher - 

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