Dienstag, 27. Mai 2025

Crime: Kerri Maniscalco - Stalking Jack the Ripper


Romantik in Whitechapel – Zwischen Mordlust und Teestunde

Vor ein paar Jahren hätte ich mich noch als leidenschaftlicher Ripperologin bezeichnet – ich habe alles verschlungen, was es über den Urvater (oder die Urmutter?) aller Serienkiller zu wissen gibt. Inzwischen hat meine Faszination für Jack the Ripper nachgelassen. Aber das düstere Flair des East End zieht mich immer noch an – und so bin ich auf Stalking Jack the Ripper von Kerri Maniscalco gestoßen.

Die Autorin wirkt sympathisch – Katzen- und Teeliebhaberin, was will man mehr? Leider konnte mich ihr Roman nicht im gleichen Maß begeistern wie ihre Biografie. Zwar bietet das Buch eine solide Mischung aus historischer Fiktion und Kriminalgeschichte, doch inhaltlich bleibt vieles blass.

Die Liebesgeschichte zwischen der jungen Hobby-Gerichtsmedizinerin Audrey Rose und dem  schnöseligen Möchtegern-Sherlock Thomas Cresswell wirkt vorhersehbar und formelhaft – wie ein Schülertheater zwischen Skalpell und Schmachtblick. Die Handlung selbst? Zäh. Die Ermittlungen bestehen aus vagen Vermutungen, etwas Bauchgefühl und viel Nebel. Spannung? Fehlanzeige.

Stattdessen gibt’s ordentlich Splatter: Wer explizite Leichenbeschreibungen liebt, wird bedient. Die beiden jungen Ermittler wühlen sich durch Gedärme und reden dabei wie Figuren aus einem viktorianischen Krimi-LARP. Die Atmosphäre erinnert streckenweise an CSI: 1888 – oder Bridgerton mit Skalpell. Man weiß nicht so recht, was es eigentlich sein will.

Erst gegen Ende zieht die Autorin die Gothic-Schraube an und serviert einen angenehm düsteren Showdown. Für einen Moment blitzt echtes Schauergefühl auf – leider zu spät, um die bis dahin schleppende Geschichte zu retten. Dennoch: Dieser Abschnitt zeigt, dass Maniscalco das Genre beherrscht – wenn sie es denn wirklich will.

Was das Setting angeht: Die Straßen von Whitechapel bleiben merkwürdig farblos. Wo ich dampfende Gullys und das schmatzende Kopfsteinpflaster erwartet habe, bekam ich Kulisse. Theaternebel statt Smog, Studiobeleuchtung statt Gaslicht. Die Atmosphäre: Potenzial verschenkt.

Das ärgert mich besonders, weil die Autorin sichtlich Herzblut in ihr Werk gesteckt hat. Ihre Anmerkung am Ende des Buchs zeigt: Sie hat recherchiert, sie kennt sich aus, sie liebt das Thema. Auch kleine Easter Eggs für Fans sind vorhanden. Aber all das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Buch stärker im Young-Adult-Regal verwurzelt ist, als es der düstere Titel vermuten lässt. Kerri Maniscalcos Debüt will historischen Krimi mit Jugendbuchcharme vereinen. Doch zwischen Skalpell und Sehnsucht bleibt der Thrill auf der Strecke.

Fazit: Für eingefleischte Ripperolog*innen, die offen für eine jugendliche, romantisierte Perspektive auf das Thema sind, ist Stalking Jack the Ripper einen Blick wert. Wer hingegen echte Spannung, historische Tiefe oder dichte Atmosphäre sucht, sollte sich vielleicht lieber eine Tasse Tee aufbrühen – und auf die (sicher bald kommende) Verfilmung warten.



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