Mittwoch, 7. Mai 2025

Drama: Alana S. Portero - Die schlechte Gewohnheit

Die Buchtipps von Nina Kunz sind durchs Band wahre Leseleckerbissen, und so bin ich dann auch bei diesem Drama um die Erzählerin gestrandet, die ihren Kampf um die geschlechtliche Zerrissenheit einer Transfrau im Arbeiterviertel San Blas in Madrid fristet. Zwischen Alltag und Selbstfindung gefangen, wird das Wohnquartier von einer Heroinwelle geflutet – das Überleben in den 90ern zwischen Träumen und dem Verlust der eigenen Seele...

Das Buch habe ich in zwei Tagen durchgesuchtet – 236 Seiten. Da mir die Ich-Erzählerin immens ans Herz ging. In kurzen Kapiteln werden diverse Lebensstationen aufgezeigt, in denen die Transfrau als Jugendliche ihre erste Liebe findet, verliert und, und, und... Ich mag Porteros Sprache, die zwischen tiefgängigen, poetisch komplexen Sätzen immer wieder das Gefühl der Leichtigkeit erzeugt – so war es unmöglich, mich dem Drama zu entziehen, und hat mich schlichtweg in die Welt der Erzählerin hineingezogen. Starke und wichtige Queer-Regenbogen-Literatur, die in Traurigkeit erstickt, sich dann aber immer wieder findet und ums Überleben kämpft. Ein Mensch, gefangen in zwei Welten – zwischen Selbstbeschuldigung und Selbstachtung.

Meisterlich 10/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen