Wie spannend kann ein Monolog von einen Mann sein, der sich als Bankier betitelt - soll heissen jemand der sich zur Aufgabe gemacht hat, auf Bänken zu sitzen und Menschen und zugleich auch sich selbst zu beobachten ohne jedoch zu beurteilen oder sie zu verurteilen. Hat etwas Anlaufzeit gebraucht, bis ich Holzapfels Strategie durchblickte und erkannt habe, wo er mit mir hin möchte. Der namenlose Erzähler begegnet, dem mystischen Charisma des Sandler mit dem Hermelinmantel - dem König der Obdachlosen. Er folgt ihn und verliert ihn zu gleich aus dem Augen und ist von da an regelrecht besessen auf ein Wiedersehen mit dem Hermelinsandler. Das hört sich jetzt wenig spannend an, ist aber ein überzeugendes literarisches Werk über kompromisslose Trauerarbeit - hier findet Sprache ohne Handlung statt. Holzapfels Debutroman ist eine poetische Erzählung um den Schmerz der Trauer mit symbolischen und mystischer Tiefe, sowie ein Blick des Alltags auf ein altes vergangenes Wien.
Es entsteht eine wirksame Melancholie, die in eine existenzielle Ausdrucksweise gepackt wird und somit wertwolle potente Lyrik erzeugt. Eine Philosophie über Parkbänke und die damit verbundene Kunst des innehalten und des Beobachtens seiner emotionalen Reise durch die Trauer. Nach dem Buch werden sie Bänke aus einer anderen Perspektive sehen.
8/10
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