Montag, 12. Januar 2026

Ruby Jean Jensen - Annabelle


Das Jahr 2026 ist noch jung, und so markiert diese Lektüre meinen ersten Titel, der es in diesem Jahr in den Buchkult geschafft hat.

Die kleine Jessica lebt mit ihrer Familie auf dem Land, am Rand des Sumpfes der alten Blahough-Plantage. Als ihre Mutter die Familie verlässt, gerät Jessicas ohnehin fragile Welt aus den Fugen. In ihrer Einsamkeit fühlt sie sich zunehmend zu dem verlassenen White-Oak-Herrenhaus hingezogen. Dort entdeckt sie ein Puppenhaus – zunächst ein harmloser Zufluchtsort kindlicher Fantasie. Doch was als Spiel beginnt, entwickelt sich schleichend zu einer gefährlichen Obsession: Die Puppen erwachen zum Leben, und Jessica begegnet schließlich ihrer „wahren“ Mutter.

Der Puppenhorror der American Nightmare Queen Ruby Jean Jensen hat dabei kaum etwas gemein mit dem gleichnamigen Horrorfilm Annabelle aus dem Jahr 2014. Vielmehr liefert Jensen einen stimmigen, über weite Strecken äußerst bedrückenden Genrebeitrag. Ob man den Roman nun eindeutig im Pulp verorten möchte, kann – und will – ich nicht abschließend beurteilen. Fest steht jedoch, dass die Geschichte ohne genretypische Persiflagen auskommt und konsequent auf Humor verzichtet. Gerade deshalb entfalten die Gewaltdarstellungen ihre verstörende Wirkung. Die Tatsache, dass auch Kinder in das Geschehen involviert sind, lässt manche Szenen regelrecht im Halse stecken. Besonders eindrucksvoll ist, wie Jensen die Tötungen subtil und mit langem Atem vorbereitet, um ihre Wirkung dann umso nachhaltiger zu entfalten.

Darüber hinaus lebt der Roman von seiner tragischen Grundstimmung – ein Element, das die Autorin meisterhaft beherrscht. Das Setting mit dem verfallenen Herrenhaus, dem Sumpf und dem angrenzenden Friedhof verstärkt die düstere Atmosphäre zusätzlich und erzeugt eine ausgeprägte Gothic-Stimmung.

Ich empfehle Annabelle all jenen Leserinnen und Lesern, die einen geradlinigen, dennoch intensiven Plot, unheimliche Puppen und düstere Familientragödien schätzen.

Leider existieren bislang keine regulären deutschsprachigen Veröffentlichungen von Ruby Jean Jensen (Stand 2026). Umso erfreulicher ist es, dass der Festa Verlag den Roman in seine Reihe Pulp Legends aufgenommen hat. Die Ausgabe ist eine wunderschöne und würdige Veröffentlichung, limitiert auf 999 Exemplare.









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